Dimensionen für Demenz

April 2013

Mensch und Demenz:
Lebensqualität gestalten

Wir werden immer älter. Das hat zur Folge, dass stets mehr Menschen von der Alterskrankheit Demenz betroffen sind. In den Niederlanden ist die Zahl der erkrankten Personen von 50.000 im Jahr 1950 auf 290.000 im Jahr 2021 gestiegen. Bis 2050 wird es voraussichtlich rund 620.000 Demenzpatienten geben.

Die Pflege von Menschen mit Demenz hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark weiterentwickelt. Dabei spielen auch Architektur und Raumgestaltung eine wichtige Rolle, denn es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Umgebung und Verhalten. Wiegerinck hat in verschiedenen Projekten viel Erfahrung auf diesem Gebiet gesammelt.

Das Strandzimmer im Pflegeheim De Houttuinen in Haarlem © Ilvy Njiokiktjien

Lebensqualität

Das Verhalten von Patienten mit einer Gehirnerkrankung hängt eng mit den Reizen und Impulsen ihrer Umgebung zusammen. Die Betroffenen werden in der Regel so lange wie möglich zu Hause durch ihre Angehörigen betreut. Ist der Zeitpunkt erreicht, an dem sie in eine Pflegeeinrichtung umziehen müssen, sind sie oft bereits sehr verwirrt und ängstlich. Dann spielt nicht nur die Qualität der Pflege eine große Rolle, sondern vor allem auch die Lebensqualität. Insbesondere bei Menschen mit Demenz hat die Umgebung und deren Gestaltung einen entscheidenden Einfluss auf das Wohlbefinden und kann ihnen einen wichtigen Halt geben.

Persönlicher Eingang zum eigenen Zimmer im Pflegeheim De Klinkenberg in Ede © William Moore

Die Sinne als Kompass

An Demenz erkrankte Personen verlieren langsam das Bild von sich und der Welt. Doch während ihre kognitiven Funktionen abnehmen, bleiben die Sinneswahrnehmungen intakt. Hören, Sehen, Fühlen und Riechen werden zum Kompass, mit dem sie sich orientieren. Architektur und Raumgestaltung können dafür einen geeigneten Rahmen bieten und durch das Setzen von Grenzen eine geborgene Welt schaffen, in der Angst und Stress so weit wie möglich reduziert werden. Diese Welt kann klein, aber auch etwas geräumiger sein.

Das städtische Modell

Kleiner oder großer Maßstab?

Kleinmaßstäbliche Wohnformen gelten als wichtiges Mittel, um die Lebensqualität zu vergrößern. In einer Pflegeumgebung für Menschen mit Demenz wird alles intimer, kleiner und übersichtlicher organsiert. Im Grunde möglichst ähnlich wie zu Hause – keine zu großen Räume und wiedererkennbare Elemente. Doch es gibt auch Argumente für einen größeren Maßstab. Groß bedeutet in diesem Zusammenhang jedoch nicht unpersönlich, sondern vielmehr, dass es genügend Platz für Bewegung, Autonomie und fürs Entdecken gibt – Raum dafür, man selbst zu sein und soziale Kontakte zu pflegen.

Das ländliche Modell

Es gibt nicht die 'eine' Lösung

In Hinblick auf Demenz haben wir bei Wiegerinck keine festgelegte Präferenz für klein- oder großmaßstäbliche Wohnumgebungen – aus dem einfachen Grund, dass es nicht die eine, optimale Entwurfslösung gibt, die alle Bedürfnisse abdeckt. Dazu sind einfach zu viele verschiedene Faktoren relevant – vom individuellen Krankheitsbild der Patienten bis zu den Besonderheiten der Einrichtung und den baulichen Möglichkeiten.

Pflegeheim De Klinkenberg in Ede © William Moore

Gelungene Beispiele

Ein Beispiel für eine gelungene Wohnumgebung für Menschen mit Demenz ist „De Klinkenberg“ in der niederländischen Stadt Ede. Kleinmaßstäblichkeit wurde hier in einen großen Maßstab eingebettet. So wurde die Intimität kleiner Wohngruppen mit viel Platz für Bewegung verbunden. Die Bewohner können drinnen einfach miteinander in Kontakt kommen und sich auch sicher nach draußen bewegen, um die angenehmen Reize von Sonne und Wind zu spüren. Im Pflegeheim „De Houttuinen” in Haarlem haben wir u. a. einen Kinosaal und ein Strandzimmer mit Liegestühlen und Wärmelampen realisiert, das sich anfühlt wie ein echter Strand und es selbst in die New York Times geschafft hat. In unseren aktuellen Projekten arbeiten wir unter anderem mit der Organisation Sensire in Doetinchem zusammen.

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