Healing Environment & Evidence-Based-Design

April 2016

Wie räumliche Qualitäten
die Genesung fördern

Healing Environment – dieser Begriff wird von Mitarbeitern aus dem Pflegebereich, von Beratern und Architekten häufig verwendet. Jedoch gibt es keine allgemeingültige Definition. Healing Environment ist ein Sammelbegriff, der unterschiedlich interpretiert und verwendet wird. Doch was versteht man unter Healing Environment eigentlich genau? Warum ist eine entsprechend gestaltete Umgebung wünschenswert und wie kann sie zum integralen Bestandteil eines Entwurfs für eine Abteilung oder ein ganzes Krankenhaus werden?

Einzelzimmer im Krankenhaus Tergooi in Hilversum

Dissertation

Dr. ir. Milee Herweijer, Architektin bei Wiegerinck, verfasste an der TU Delft ihre Dissertation: Evidence-Based-Design in niederländischen Krankenhäusern.

Healing Environment basiert auf dem wissenschaftlichen Fundament des Evidence-Based-Design (EBD). EBD untersucht auf komplexe und detaillierte Weise die Beziehung zwischen räumlichen Aspekten und der Gesundheit und dem Wohlbefinden des Patienten. Für ihre Dissertation machte Herweijer eine ausgebreitete Literaturuntersuchung und betrieb Feldforschung in verschiedenen Krankenhäusern.

Gefühl von Sicherheit: Empfangsbereich des Gästehauses Antoni van Leeuwenhoek in Amsterdam

Gesundheit, Wohlbefinden und Pflege

Die Verbesserung der Patientengesundheit ist der wichtigste Aspekt der EBD-Forschung. Einfach gesagt: Der Zustand von Patienten darf sich im Krankenhaus nicht durch Erkrankungen verschlechtern, die sie noch nicht hatten, als sie aufgenommen wurden. Krankenhausinfektionen vorzubeugen ist daher sehr wichtig, genauso wie das Reduzieren von Stress beim Patienten, da Stress den Genesungsprozess verlangsamt. Ein gutes Beispiel in diesem Zusammenhang sind Einzelzimmer. Sie minimieren das Infektionsrisiko und wirken gleichzeitig auch stressvermindernd, da sie dem Patienten unter anderem Privatsphäre bieten.

Soziale Unterstützung: Onkologische Abteilung, Neubau Krankenhaus Tergooi in Hilversum

Reduzieren von medizinischen Fehlern

Auch das Risiko medizinischer Fehler wird substanziell vermindert, wenn Umgebungsfaktoren beim Entwurf beachtet werden. Akustik ist in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung, da viele Geräusche/viel Lärm die Konzentration von Ärzten und Pflegepersonal negativ beeinflussen können. Lichteinfall und Lichtfarbe haben ebenfalls einen starken Einfluss. Des Weiteren sind sogenannte Acuity Adaptable Patient Rooms sehr effektiv – sie reduzieren die Häufigkeit medizinischer Fehler um beinah 70 %.

Positive Ablenkung: Kinderfreundlicher Verbandswechselraum im Brandwundenzentrum des Maastad-Krankenhauses in Rotterdam

Grundbedürfnisse berücksichtigen

Krank zu sein, macht Menschen sehr verletzbar. Sie können ihre elementarsten Bedürfnisse nicht selbstständig erfüllen, was zu Stress führt. Stress hat einen negativen Einfluss auf Genesung, Blutdruck, Herzschlag, Liegezeiten, Schlaf- und Schmerzmedikation. Ausreichend Schlaf, Sicht auf das Pflegepersonal, sichere Wege, Unterstützung durch die Familie, ausreichend Platz und Privatsphäre reduzieren Stress und beschleunigen die Genesung. Es gibt viele verschiedene räumliche Maßnahmen, die zur Reduzierung von Stress und Ängsten beim Patienten beitragen können. In jedem Entwurf für ein Krankenhaus, einen Umbau oder eine neue Abteilung können sie von Beginn an berücksichtigt werden.

Reduzierung von Stress: Zentraler Aufenthaltsraum, in dem sich das Personal, das rund um die Uhr im Dienst ist, treffen und entspannen kann

Feldforschung

In einer Reihe von Fallstudien hat Herweijer verschiedene niederländische Krankenhäuser analysiert, fünf von ihnen befanden sich in der Entwurfs- und Bauphase. Aus diesen Untersuchungen wurde deutlich, dass es in Bezug auf die Berücksichtigung der EBD-Erkenntnisse als funktionale Anforderungen im Raumprogramm noch viel zu lernen gibt.

Auf Basis unserer umfassenden Erkenntnisse im Bereich EBD kann Wiegerinck gemeinsam mit Ihnen die gewünschten positiven Effekte in der Pflegeumgebung realisieren. Dies ist dringend notwendig, finden wir. Die Feldforschung hat gezeigt, dass viele Erkenntnisse noch nicht hinreichend bekannt sind und dadurch wenig Anwendung finden. In den meisten Krankenhäusern gibt es beispielsweise viele Sprech-, Untersuchungs- oder Patientenzimmer, die über wenig oder kein Tageslicht verfügen. In mehr als der Hälfte der untersuchten Krankenhäuser gibt es Mehrbettzimmer mit gemeinsamem Badezimmer. Im Bereich der Tagesklinik ist in nahezu allen Fällen kaum Privatsphäre oder positive Ablenkung durch Möglichkeiten zur sozialen Unterstützung der Patienten gegeben.

Sicht auf den Patienten: Intensivstation des Amphia-Krankenhauses in Breda

Viel Raum für Verbesserungen

Die Untersuchung von Herweijer zeigt darüber hinaus, dass EBD sehr gut mit architektonischer Qualität zu vereinbaren ist. Kurzum: Es gibt noch viel Raum für Verbesserungen beim Entwerfen oder Renovieren von Krankenhäusern oder Abteilungen. Das gilt in Hinblick auf die Patienten, die in einer Krankenhausumgebung, die den menschlichen Bedürfnissen entspricht, schneller genesen – aber auch in Hinblick auf die Krankenhausmitarbeiter, die in einer optimal eingerichteten und entworfenen Umgebung effizienter, effektiver und mit mehr Freude arbeiten.

Wer Healing Environment ernst nimmt, ist bei Wiegerinck an der richtigen Adresse. Möchten Sie wissen, welche Entwurfslösungen in diesem Zusammenhang sinnvoll sind? Sind Sie interessiert an einem Gespräch mit Milee Herweijer? Kontaktieren Sie uns für einen Termin.

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